Unter der Rubrik Gegenwartsliteratur stellt Buch-Tipps.net Werke vor, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind oder seinerzeit große Beachtung fanden und Themen behandeln, die sich auf kritische, aufwühlende und/oder nachdenkliche Weise mit politischen und gesellschaftlichen Strömungen auseinandersetzen. Auch Erzählstil und Sprache weisen darauf hin, dass die Autoren sich besonders intensiv mit dem gegenwärtigen Lebensgefühl, aktuellen Ereignissen, Vergangenheitsbewältigung und der künstlerischen Umsetzung bedrängender Themen befassen.
Mit „Trümmerliteratur“ und „Kahlschlagliteratur“ sind direkt nach 1945 Begriffe geprägt worden, die die literarische Aufarbeitung, aber auch die persönliche und gesellschaftliche Situation in einem von Zerstörung und Fassungslosigkeit bestimmten Land charakterisieren. Manche Autoren stellen sich der Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur, andere verdrängen. Zu den deutschen Exilautoren, die in die Sowjetische Besatzungszone zurückkehren, gehören zum Beispiel Anna Seghers, Bertold Brecht, Arnold Zweig, Stefan Heym, Alfred Döblin. In Westdeutschland erlangen viele Autoren erstmals in der Gruppe 47 Aufsehen, unter ihnen: Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Martin Walser, Heinrich Böll, Uwe Johnson, Paul Celan, Günter Eich, Günter Grass, Wolfgang Hildesheimer, Wolfdietrich Schnurre. Lyrik und Kurzgeschichten avancieren zu den wichtigsten Gattungen. Großen Einfluss hat das Werk des 1924 verstorbenen Franz Kafka. Mit der Hoffnungslosigkeit, die sein ganzes Werk durchdringt, trifft er den bestimmenden Lebensnerv der Kriegsgeneration. „Das Urteil“ und „Die Verwandlung“ sind hier vorrangig anzuführen.
In den Jahren des Wirtschaftswunders beschränkt der Autor Wolfgang Koeppen sein Erzählen auf die Darstellung der Gegenwart, während Günter Grass mit „Die Blechtrommel“ einen Schelmenroman schrieb, der internationale Beachtung fand. Autoren wie Arno Schmidt und Uwe Johnson entziehen sich der Zuordnung nach literaturwissenschaftlichen Begriffen und gehen eigene Wege. Die 68er-Bewegung führt einerseits zu einer Politisierung in der Literatur, zum anderen findet eine Hinwendung zu privaten Themen statt. Nach dem Fall der Mauer 1989 wird deutsch-deutsche Geschichte verstärkt aufgearbeitet, und in den letzten Jahren steht erneut das moderne Leben, das geprägt ist vom Single-Dasein, dem Einfluss des Internets sowie dem Umbruch in der Arbeits- und Finanzwelt im Mittelpunkt einer jungen Autorengeneration.


» Leslie Feinberg: Stone Butch Blues. Träume in den erwachenden Morgen